Langzeitergebnisse nach offener Einstellung von Hüftluxationen von einem ventralen Zugang, erst lateral, dann medial des M. Iliopsoas

© Wolfgang Cordier, M.D., Prof. Dr. med. Dietrich Tönnis, M.D., Bernd Dietrich Katthagen, M.D., Klaus Kalchschmidt, M.D., Klaus Storch, M.D.

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Einführung

Mit der heutigen Früherfassung von Hüftdysplasien und -luxationen durch das Neugeborenenscreening mit Ultraschall geht die Zahl der operativen Hüftrepositionen zurück und die Erfahrung in diesen Eingriffen verringert sich. Deshalb erscheinen Erfahrungsberichte über ein grösseres Krankengut, verschiedene Operationstechniken, und eine langfristiger Beobachtungszeit wichtig.

Unsere Klinik befasste sich ab 1970 schwerpunktmässig mit der Behandlung von Hüftdysplasien und -luxationen. Ein neuer Zugang von vorn für offene Einstellungen wurde von Tönnis schon früher eingeführt (1, 2, 3).
Die Erfahrungen und Ergebnisse der operativen Hüftluxationseinstellung sollen deshalb hier mitgeteilt werden.


Operatives Vorgehen

Eine tiefe konzentrische Einstellung des Hüftkopfes wird oft durch mediale Anteile der Kapsel und des Labrums am Pfannenrand und durch vorspringende Teile des Ligamentum transversum der Pfanne verhindert (2, 3, 5). Diese Strukturen müssen entfernt oder durchtrennt werden, bis der Hüftkopf tief an den Pfannenboden treten kann. Diese Pfannenanteile sind oft schwer zu identifizieren und von einem lateralen operativen Zugang zu erreichen. Vorsicht ist auch geboten, dass die azetabulare Arterie und Vene am Pfannenboden nicht verletzt werden.

Deshalb wandte sich Tönnis von dem antelateralen Zugang zu einem inguinalen (Abb. 1a). In der Leistenbeuge wird die Faszie unmittelbar unter dem Leistenband durchtrennt. Der Tensor fasciae latae und der Sartorius-Muskel werden an der Spina iliaca superior abgelöst und der M. rectus femoris an der Spina iliaca inferior und mit dem Wundrand nach medial zurückgezogen. Der vordere Rand des M. glutaeus mamimus wird an seinem Vorderrand ein kleines Stück abgelöst in seinem knorpeligen Rand.

Abb. 1 Das Leistenband mit der abdorminalen Muskulatur werden auch am Beckenkamm abgelöst und nach cranial gezogen. Die freigelegte Gelenkkapsel wird jetzt mindestens 0,5 cm parallel zum Pfannenrand eingeschnitten unter Schonung des Labrums und der darunter liegendenen apophysialen Wachstumszentren. Jetzt wird der M. iliopsoas nach der Technik von Tönnis etwas zur Seite gezogen, so dass wir uns dem Gelenk in der Lacuna musculorum nähern können (Abb. 1b).

Anfangs haben wir den Nervus femoralis, der auf dem Muskel liegt, isoliert und nach lateral gezogen, aber es ist schonender für den Nerv, wenn er auf dem Muskel belassen wird und mit doppelt gerundeten Wundhaken zurück gehalten wird. Die Iliopsoassehne wird ein Stück durchtrennt, um anschließend Druck durch Verlängerung und Nekrosen des Hüftkopfes zu vermeiden. Das mediale Gewebe des Lacuna vasarum mit der Arteria und Vena femoralis wird mit doppelt gerundeten Haken zurück gehalten. Dieser Zugang gibt eine excellente Übsersicht über die Pfanne und ihre mediale Grenze. Die Tiefeinstellung des Hüftkopfes und der Pfannenrand sind exakt zu sehen. 

Die Arteria und Vena acetabularis, die die drei Beckenknochen an der triradiate cartilage versorgen, sind hier zu sehen und zu schonen. Der Zugang betrifft damit nur die Hüftpfanne und schont auch das Gefäßnetz des Schenkelhalses.

Bei Verkürzungsosteotomien lässt sich auch eine subtrochantäre Osteotomie mit Anlagerung einer 4-Lochplatte leichter als eine Varisierung durchführen. Es wird dann geprüft, ob Luxationsbereitschaft noch besteht wegen der Steilheit des Pfannendaches. Es lässt sich dann auch von hier eine Acetabuloplastie (Abb. 2) durchführen.

Fig. 2

Auch eine Kapselraffung (Abb. 3) lässt sich durch einen Lappen aus der hinteren Kapsel gut durchführen.

Abb. 3. 3 Dieser Lappen wird nach vorn und wie ein Gürtel um den Hüftkopf gezogen, wobei der Gelenkraum dorsal verengert und vorn erweitert wird. Ein Gipsverband wird für mindestens 6 Wochen gegeben in Abhängigkeit von der Stabilität und dem Grad der restlichen Dysplasie.


Krankengut

Für die Auswertung der operativen Hüfteinstellung wurden nur Kinder einbezogen, bei denen es sich um „typical congenital developmental disclocations“ handelte, nicht um „teratological dislocations“, und das Alter zwischen 3 Monaten und 4 Jahren lag. Revisionsoperationen von anderernorts vorbehandelten Patienten wurden nicht ausgewertet. Bei der Nachuntersuchung sollte Skelettreife vorliegen. Alle Unterlagen mussten vollständig sein.

Von 87 Patienten kamen dann 86 zur Nachuntersuchung. 70 Patienten waren weiblich, 17 männlich. Bei 31 war die Hüftluxation beidseitig. Damit konnten 118 Gelenke untersucht werden. Das Alter lag zum Zeitpunkt der Operation zwischen 3 Monaten und 4 Jahren, im Mittelwert bei 1 Jahr, 3 Monaten. Die Beobachtungszeit verteilte sich zwischen 10 und 21 Jahren und lag im Mittelwert bei 15 Jahren, 3 Monaten.

Die Schweregrade der Luxation nach Tönnis ( ) verteilten sich bei 118 Gelenken wie folgt:
Grad 2 (Kopfkern nur lateralisiert)                          0.9%
Grad 3 (Kopfkern auf Höhe des Pfannenerkers)      17.9%
Grad 4 (Kopfkern oberhalb des Pfannenerkers)      81.2%

Die Art der Eingriffe, die bei der Operation verwandt wurden, geht aus Tab. 1 hervor.

 

Tab. 1
Grade 1 (centre of femoral head medially to the vertical line of Perkins): 0%
Grade 2 (centre of femoral head laterally to line of Perkins): 1%
Grade 3 (centre of femoral head close to level of superior acetabular rim): 18%
Grade 4 (centre of femoral head above superior acetabular rim): 81%

Ergebnisse
1. Klinische Befunde

Schmerz, Hinken und Bewegungseinschränkung wurden nach einem Fragebogenschema erfasst (Tab. 2). Bei der subjektiven Gesamteinschätzung wurden von 117 Gelenken 65.8% als sehr gut eingeschätzt, 23.9% als gut, 8.6% als ausreichend und 1.7% als schlecht.

Tab. 2 Questions for clinical results
Question 1 Do you have pain in the operated hip?
  No
  Yes, during or after sports
  Yes, after walking more than one hour
  Yes, after walking more than 30 minutes
  Yes, even at rest
Question 2: Are you noting limping?
  No
  Yes, after great exertions
  Yes, I am always limping
  Yes, I cannot walk more than one kilometer
 Question 3: Is the range of movement of your hip limited?
  No
  Yes, there is some limitation of my operated hip
  Yes, the range of movement of the operated hip is much less

 

2. Röntgenologische Auswertung
Die Überdachung des operativ reponierten Hüftkopfes ohne und mit Azetabuloplastik wurde durch den seitlichen Überdachungswinkel CE nach Wiberg und den vorderen Überdachungswinkel VCA nach Lequesne und deSeze beurteilt. Von diesen Autoren werden Winkel über 25° als normal angesehen. Im Mittelwert liegen die Normalwerte allerdings bei 35° im Erwachsenenalter (22), zwischen 8 und 18 Jahren bei 32° (Tö).

Fig. 4

Abb. 2 und 4 zeigen, dass der weitaus überwiegende Teil der Gelenke teils durch spontane Nachreifung und teils durch Azetabuloplastik voll normalisiert werden konnte, der CE-Winkel in 78 % und der VCA-Winkel in 83 % auf mehr als 25°, also Normwert, in 14 % bzw. 4 % auch auf den grenzwertigen Winkel von 20-25°, so dass nur 8 % bzw. 13 % als Restdysplasien verbleiben, die noch nachzukorrigieren sind. Das darf als sehr gutes Ergebnis angesehen werden.

3. Klinische und röntgenologische Klassifikation der Ergebnisse nach Severin

Um Vergleiche mit anderen Autoren zu ermöglichen, wurden die Hüftgelenke auch nach den Bewertungschemen von Severin (22) klassifiziert. Tab. 3  zeigt die klinischen Ergebnisse.

Table 3. Clinical classification of the joints according to Severin and others (n = 118)
Classification n %
Severin 1 98 83
Severin 2 18 15
Severin 3+4 2 2

82,9% gehörten zur Gruppe A, die symptomfrei ist, 15.4% zur Gruppe B, die nur bei grösseren Anstrengungen etwas Beschwerden hat. 1.7% fallen in die Gruppen C und D, die ein Hinken oder eine Gehstreckenbegrenzung auf 4-5 km haben.

Tab. 4 Radiological classification of the joints according to Severin and others (n = 118)
Classification n %
Severin 1 73 62
Severin 2 17 14
Severin 3+4 8 7
CE angle 20–25° 20 17 (not classified)

Tab. 4 gibt das röntgenologische Ergebnis wieder. 61.5% weisen eine normale Hüfte mit einem altersgemässen CE-Winkel nach Wiberg auf. In Gruppe 2 sind Gelenke enthalten, die ebenfalls regelrechte Gelenk-darstellung aufweisen. Es finden sich aber diskrete Veränderungen des Hüftkopfes, Schenkelhalses oder des Azetabulums. Diese 14 % dürfen auch noch zu den guten Ergebnissen gezählt werden. Nur 7 % fallen auf die Gruppen 3 und 4.

Nicht gezählt wurden hier die Reluxationen von 13 Gelenken, die von Severin in Gruppe 6 eingeordnet wurden. Bei diesen Gelenken kam es noch im Gipsverband während der Nachbehandlung zur Reluxation. Sie wurden dann sofort erneut eingestellt, eventuell mit nachträglicher Azetabuloplastik, und mit den übrigen Patienten jetzt nachuntersucht.

4. Vergleiche des Krankengutes nach Alter und Operation

Es ist bekannt, dass die Ergebnisse eine gewisse Altersbezogenheit aufweisen. Die Hüftpfanne hat eine Nachreifungsmöglichkeit, umso mehr, je jünger das Kind ist (Abb. 4). Deshalb ist in Tab. 5 eine Gruppe herausgestellt, bei der nur die operative Einstellung ohne Zusatzmassnahmen wie Azetabuloplastik vorgenommen wurde.

Table 5. Results of open reduction alone and with additional operation
  Age at operation CE Severin >25° Clinical Severin
Grade A+B
Residual dysplasia
CE angle <20°
Avascular necrosis
(Hirohashi)
Only open reduction (n = 32)
7 months
88% (n = 29)
94%
0%
Including 6% preoperative
With additional procedures (n = 86)
17 months
71% (n = 61)
77%
8%
12% grade 2+3
including 6% preoperative

Das durchschnittliche Operationsalter lag hier bei 7 Monaten, bei dem Rest der Kinder bei 17 Monaten. Im ersten Lebensjahr konnte die röntgenologische Ausheilung nach Severin-Gruppe 1 in 88% ereicht werden. Bei den Kindern der zweiten Lebensjahr-Gruppe wurden nur noch 71 % erzielt, obwohl hier schon bei 2/3 der Gelenke Azetabuloplastiken vorgenommen wurden. Ohne Zusatzmassnahmen ist im zweiten Lebensjahr durch die nachholende Entwicklung offensichtlich wenig Spontanheilung zu erwarten. Bei der jüngeren Gruppe traten ausgeprägte Hüftkopfnekrosen nicht auf, lediglich 4 leichte (12,5 %).

5. Komplikationen
Tab. 6 gibt  die Komplikationen an, die in unserem Krankengut auftraten.

Table 6. Complications after open reductions of hip dislocations with and without additional operations (n = 118)

Complication n %
1 Coxa magna was evaluated only in 54 unilateral open reductions
Coxa magna1 (n=54)    
   Difference in head diameter 0–20% 10 19
   Difference in head diameter >20% 1 2
Avascular necrosis (Hirohashi et al.) only postoperative    
   Grade 1 7 5.9
   Grade 2 2 1.7
   Grade 3 0 0
   Total 9 7.6
Redislocations short after open reduction 13 11
Superficial wound infections 3 3

Die in Tab. 6 aufgeführte Coxa magna wurde ermittelt durch Vergleichsmessungen des grössten Durchmessers der Hüftköpfe beider Seiten in der Horizontalen bei Neutralstellung der Beine. Gamble et al. (25) werteten Grössenzunahmen von mehr als 15% als Coxa magna, Imatani et al. (26) erst ab 20°. Wir bezogen uns ebenfalls auf 20° als Grenze.

Die Nekrosen des Hüftkopfes wurden nach der Einteilung von Hirohashi et al (27) beurteilt. Leichte Nekrosen führen nicht zu Schäden, mittelgradige zu partiellen und schwere zu ausgedehnten, so kann man zusammenfassen. Unter 118 Gelenken erlitten 7 (5,9 %) eine leichte Nekrose, 9 (7,6 %) eine mittelgradige bis schwere, insgesamt also 16. Davon wiesen 7 aber schon präoperativ entsprechende Zeichen auf oder auch deutliche Entwicklungsverzögerungen des Epiphysenkerns (femoral ossific nucleus) , die ein besonderer Risikofaktor sind (Tö u. Itoh, To). 7 Gelenke gehörten auch zu der älteren Gruppe, bei der zusätzlich eine Azetabuloplastik und eine Detorsions-Varisierungsosteotomie vorgenommen wurde.

In Tab. 7 wird eine Operationstechnik noch gesondert untersucht - die Verkürzungsosteotomie, oft auch mit Azetabuloplastik verbunden. Sie verringert den Druck, der auf dem Hüftkopf durch das Herabholen aus der hohen Luxationsstellung und das zusätzliche Herabbiegen des Pfannendaches lastet.

Table 10. Results of reinvestigations of open reductions in developmental hip dislocations
  Age at operation Shortening Degree of dislocation Avascular necrosis
 Reduction + shortening
(n = 10)
 26 months  2 cm  All degree 4  None
 Other reductions
(n = 108)
 17 months  None  Degree 4 (83%)  11.8%
       Degree 3, 3% including 4.2% preoperative  

Obwohl das Alter dieser Gruppe mit 26 Monaten deutlich höher war, als das der übrigen Kinder und bei Verkürzungsosteotomien ausschliesslich hohe Luxationen des Grades 4 vorhanden waren, fanden wir hier keine einzige Nekrose.

Reluxationen traten bei 13 Gelenken (11,1 %) noch im Gipsverband nach der Operation auf und wurden dann sofort nachoperiert (Tab. 6). Wir nahmen deshalb auch immer häufiger sofort bei der Einstellung schon eine Azetabuloplastik vor. Auf Varisierungen und Detorsionen verzichten wir zunehmend. Gelenkinfektionen oder tiefe Wundentzündungen sahen wir nicht, nur 3.5% oberflächliche.


Besprechung der Ergebnisse
Vergleicht man die Ergebnisse mit der Literatur (Tab. 8), so darf man von einer weitgehenden Normalisierung der Gelenke nach unserer Einstellungstechnik sprechen. Die Beobachtungszeiten der meisten anderen Autoren haben allerdings noch nicht den Wachstumsabschluss erreicht.

Tab. 8 Results of reinvestigations of open reductions in developmental hip dislocations
Study Age (months) Mean follow-up (years) Number of hips Avascular necrosis (%) Redislocations (%) Severin radiograph Severin clinical Operative technique
DVO: detorsion-varus osteotomy
  Mean Range              
Berkeley
[28]
ND
12–36
6.1
5.1
ND
ND
92
grade I+II
100
grade A+B
Iliofemoral approach, acetabuloplasty
Powell et al. [29]
16
4–26
4.3
16
25
grade I+II
Salter, Gage, Winter
ND
68.8
grade I
different score
ND
Anterior approach
 
27
8–80
4.8
18
22.3
grade II+IV
5.6
2.2
grade I
different score
ND
Anterior approach + varus osteotomy
 
29
15–46
5.6
15
46.7
grade I–IV
26.7
46.7
grade I
different score
ND
Anterior approach, varus + Salter osteotomy
Galpin and Wenger
[30]
>2
ND
3.7
33
9.1
12.1
72.7
ND
Medial approach, Salter osteotomy
Williamson [24]
4.3
3–9.5
16.7
45
13.3
ND
51
grade I+II
80
grade A+B
Anterior approach of Sommerville
Castillo
[31]
19
5–26
7
26
15
12
73
grade I+II modified
ND
Ludloff
Dhar
[32]
Different groups
ND
5.6
99
23.2
4
75.8
grade I+II
100
MacKay grade I+II
Anterior approach derotation
Mergen
[33]
12.1
3–33
7.1
31
9.7
0
67.7
grade I+II
100
MacKay grade I+II
Medial approach (Ferguson)
Mankey, Staheli
[34]
12
2–63
6
66
11
4.6
In 33% pelvic osteotomy later
 
Ludloff
Sugimoto et al.
[35]
<84
ND
>15
43
46.5
Kalamchi I+II
ND
41.2
grades I,II,III
ND
Unknown
Doudoulakis, Cavadis
[36]
7
2–12
13
69
13
1.5
76.8
successful
 
Anterior approach (Smith-Petersen)
Gulman et al.
[37]
ND
19.2–48
13
43
34
grade II, III, IV
71.1
78.9
grade I+II
ND
Anterior approach
Michiels [38]
8.8
3–21
11
21
38
0
81
grade I+II
47.6
different score
Ludloff and others
Szepesi
[39]
13
6–24
6.1
113
0
ND
98
grade I+II
98
grade A+B
Anterior approach + pelvic osteotomy
Haidar [40]
25.4
18–67
7.6
37
8.1
0
83.8
grade I+II
97.3
MacKay grade A+B
Anterior approach + Salter osteotomy
Morcuende et al. [41]
14
2–50
11
93
24 grade II;
14 grade III;
3 grade IV;
2 no classification
Buchholz, Ogden
2.2
71
grade I+II
ND
Anteromedial (Weinstein)
Koizumi et al.
[43]
14
5–29
19.4
35
42.9
Kalamchi
ND
54.3
ND
Ludloff, 50% reoperated
Turner
[44]
11.2
2–25
8.1
56
8.9
ND
98
grade I+II
ND
Medial approach 19% acetabular osteotomy
Ryan et al.
[45]
76.8
36–108
10.6
25
44
grades I–III
Salter, Buchholz, Ogden
ND
72
grade I+II
ND
Anterior approach Smith-Petersen + short osteotomy
Akagi et al.
[46]
14
5–26
15
22
31.8
Kalamchi
ND
9.1
grade I;
54.5
garde II
ND
Smith-Petersen, no osteotomies until 15 years
Olney et al. [47]
29
15–117
3.6
18
5.5
0
100
grade I+II
100
grade A+B
Anterior approach VDO + pelvic osteotomy
Cordier et al.
14
3–48
15.3
118
6
Hirohashi et al.
11
76
grade I+II
CE 20–25?, 17%
98
grade A+B
Anterior approach (Tönnis), acetabular osteotomies

Auf unserem Fragebogen zu dem subjektiven Befinden der Patienten (Schmerz, Hinken, Bewegungseinschränkung) wurden 89,7 % gute und sehr gute Beurteilungen abgegeben.

Die seitlichen und die vorderen Überdachungswinkel der Pfanne (CE und VCA) wurden in 75,2 % bzw. 82,6 % auf Normwerte über 25° gebracht. Restdysplasien (unter 20°) verblieben nur in 7,7 und 13,3 % bei CE- bzw. VCA Winkel. Rechnet man alle CE-Winkel ab 20° noch zu den guten Ergebnissen waren es 92,3 %. Das entspricht also einer sehr weitgehenden Normalisierung der Gelenke. Kinder des ersten Lebensjahres zeigten in 88% den normalen Grad 1 der röntgenologischen Klassifizierung nach Severin, die des zweiten Lebensjahres nur in 71 %. Der klinische Befund erreichte aber bei beiden Altersgruppen den Normgrad von Gruppe A nach Severin in 83 %. Nimmt man die Gruppen 1 und 2 und A und B nach Severin zusammen, so sind es 94, 8% und 98 % jeweils.

Komplikationen traten in unserem Krankengut in begrenztem Masse auf. Vorsorge muss immer gegen das Auftreten von Hüftkopfnekrosen getroffen werden. Mit 7,7 % der Grade 2 und 3 nach Hirohashi et al. (27) liegen wir im internationalen Vergleich (Tab. 8) niedrig. Dazu ist zu sagen, dass wir seit 1983 auf das Vorhandensein des Kopfkernes des Femurs (femoral ossific nucleus) achteten, da wir bei Nachuntersuchungen eine erhöhte Nekroserate bei Fehlen und besonders bei verzögerter Entwicklung des Kopfkernes sahen (Tö).

Geschlossene Einstellungen (closed reductions) bei arthrographisch verengtem Pfanenneingang wurden öfter ebenso wie operative Einstellungen bis zum Aufteten des Kopfkernes verschoben. Zu vermeiden ist aber auch erhöhter Druck bei Einstellung höherer Luxationen und vor allem, wenn gleichzeitig das Pfannendach herabgebogen wird.

Bei Verkürzungsosteotomien sahen wir keine Nekrosen (n= 10), in unserem Arbeitskreis für Hüftdysplasie trat in einer Sammelstatistik nur eine Nekrose des Grades 3 unter 10 Verkürzungen auf. Die Zahl der Operationen war deswegen klein, weil wir nur nicht konserativ oder operativ vorbehandelte Gelenke in dieser Richtung untersuchten.Wir haben seitdem alle höheren Luxationen mit subtrochantären Verkürzungen eingestellt, subtrochantär , um die Gefässe des proximalen Femurs nicht noch zu beinträchtigen.

Zusätzlich ist zu erwähnen, dass man bei dem inguinalen Zugang (approach) auch nicht an den Schenkelhals kommt oder kommen sollte, wo die A. circumflexa medialis und lateralis liegen. Das Labrum haben wir nie reseziert, es höchstens geglättet, wenn es in seltenen Fällen sehr wulstig war. Ferner wäre zu erwähnen, dass das Ausräumen von Weichteilgewebe in der Pfanne nicht bis in die Fossa acetabuli gehen darf, denn hier liegt A.und V. acetabuli, die in die drei Beckenknochen am Oberrand der Fossa eintreten. Werden sie verletzt, dürfte es zu Knochen- und Knorpelveränderungen am Pfannendach kommen und stärkeren Bewegungseinschränkungen.

Als Komplikation bleibt die Reluxation noch zu erörtern. Die Prozentsätze liegen in unserer Schrifttumstabelle zwischen 4 und rund 12 %. Mehrere Autoren geben sie nicht an. Wir liegen mit 11 % im meist genannten Bereich. Zur Stabilisierung des Hüftkopfes trennten wir aus dem cranio-lateralen Kapselbereich einen gürtelförmig-länglichen Kapselstreifen, dorsal festsitzend und zogen ihn nach vorn bis an die mediale Kapselbegrenzung, um den Hüftkopf zu umgurten und vernähten ihn mit der vorher inzidierten vorderen Kapsel.

Bei Dysplasien wurde auch immer mehr dazu übergegangen, gleichzeitig mit der Hüftkopfeinstellung das Pfannendach durch die Azetabuloplastik nahe der Y-Fuge seitlich herabzubiegen. Dadurch umfasst das Labrum auch den Hüftkopf mehr seitlich. Wir bevorzugen seit langem die von Wiberg 1953 (10) eingeführte Technik, der wie Albee und Lance von seitlich, aber ab dieser Zeit transiliacal einmeisselte. Dabei durchtrennen wir von seitlich kommend, oberhalb des Pfannendaches unter Bildwandlersicht (image intensifier), vorn und bis dorsal zur Incisura ischiadica, die Beckenschaufel bis kurz vor die dorsale Y-Fuge (triradiate cartilage). Das Pfannendach wird damit ventral und dorsal gleichzeitig im Knochen vor der y-Fuge 5mm herabgebogen. Es gibt allerdings Pfannen, die sich dorsal eine Luxationsrinne geschaffen haben und dann trotz aller Massnahmen noch reluxieren, wie wir sahen.

Ergebnisse

Wie unsere Ergebnisse zeigen, können offene Einstellungen im hohen Maße (92 %) normale Werte am Ende des Wachstums erreichen, wenn die Behandlung im Hocksitzverband nach Fettweiss versagt.

Die Einstellung nach unserem ventralen Zugang, eine Verkürzungs-osteotomie und andere Vorsichtsmaßnahmen sind entscheidend, um eine Hüftkopfnekrose zu vermeiden.

Vom zweiten Lebensjahr an müssen bei verbleibender Hüftdysplasie Acetabuloplastiken hinzugenommen werden. Wir bevorzugen die transiliakale Osteotomie, die Wiberg zuerst beschrieb von lateral unter Benutzung des Bildwandlers. Dann sind Varus- und Detorsionsosteotomien nicht mehr notwendig. Diese haben eine Anzahl von Nachteilen. Nach Varusosteotomien gerät der Schenkelhals bei fast 50 % der Fälle in eine „Kopf-im-Nacken-Lage“ (subcapital coxa valga). Eine Detorsion auf 0° Anteversion verbleibt oft bis ins Erwachsenenalter und verursacht Schmerz, Osteoarthrose und Impingement (13).

Literatur

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Langzeitergebnisse nach offener Einstellung von Hüftluxationen von einem ventralen Zugang, erst lateral, dann medial des M. Iliopsoas PDF (420 KB)